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| Karl Löwith (1897-1973) Philosoph in Marburg, Sendai, New York und Heidelberg. Entscheidender Vermittler der Philosophischen Anthropologie der 1920er Jahre in die Philosophie und Soziologie der Bundesrepublik. Leben:
Löwith studiert Philosophie und
Biologie in München und in Freiburg bei Edmund Husserl und dessen
Assistenten
Martin Heidegger sowie bei dem Zoologen Hans Speman. Zurück in
München,
promoviert Löwith 1923 bei Moritz Geiger mit der Studie
»Auslegung von
Nietzsches Selbst-Interpretation und von Nietzsches
Interpretationen«. Nach
einer Hauslehrertätigkeit auf einem Gut im Mecklenburgischen folgt
er Heidegger
1924 nach Marburg, wo er sich mit Leo Strauss, Gerhard Krüger und
Hans-Georg
Gadamer befreundet. 1928 habilitiert er sich bei Heidegger mit der
phänomenologischen Arbeit über »Das Individuum in der
Rolle des Mitmenschen«.
Wegen seiner jüdischen Herkunft wird
ihm 1935 die Lehrbefugnis entzogen. Bereits ein Jahr zuvor emigriert
Löwith
nach Rom. 1936 erhält er eine Professur an der Kaiserlichen
Universität von
Sendai (Japan). 1941 übersiedelt Löwith in die USA. Dank der
Vermittlung von
Paul Tillich und Reinhold Niebuhr wird er am Theologischen Seminar von
Hartford
tätig. 1949 wird
Löwith an die New School for Social
Research in New York berufen. Nach Deutschland
kehrt er 1952 zurück, wo er einen
Ruf nach Heidelberg erhält, dem er bis zu seiner Emeritierung 1964
folgt.
Werk:
Hinsichtlich der Philosophischen
Anthropologie ist die Studie »Das Individuum in der Rolle des
Mitmenschen. Ein
Beitrag zur anthropologischen Grundlegung der ethischen Probleme«
(München
1928, Nachdruck: Darmstadt 1962 u. 1969) zentral. Löwith, wie
Plessner studierter
Biologe (bei Hans Spemann) und Philosoph, entwickelt die These, dass der Mensch von seiner
Natur
her das eigene Verhältnis zu sich als Individuum nur im
Verhältnis zum Anderen
- nur im rollenhaften Verhältnis, also notwendig in der Verdeckung
- gewinne.
In dieser Anerkennung der indirekten Direktheit des
Selbstverhältnisses liegt
die Nähe zur Philosophischen Anthropologie. Produktiv ist
Löwith vor allem auch
im Anschluss an Feuerbach, womit er der Philosophischen
Anthropologie eine
bisher außer acht gelassene Traditionslinie ga.b
Werkausgabe: K. L.
Sämtliche Schriften,
9 Bände. Hrsg. von Klaus Stichweh, Marc B. de Launay, Bernd Lutz
u. Henning
Ritter. Stuttgart 1981-1988.
Bibliographie: Klaus Stichweh, Ergänzte
Gesamtbibliographie Karl Löwith [1923-1984], in: Karl Löwith,
»Von Hegel zu
Nietzsche Der revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten
Jahrhunderts«, 9.
unv. Aufl. Hamburg 1986, 465-499. - Vgl. auch Dieter Misgeld (Bearb.)
Bibliographie Karl Löwith [1923-1966], in: Hermann Braun u.
Manfred Riedel
(Red.), »Natur und Geschichte. Karl Löwith zum 70.
Geburtstag«. Stuttgart 1967,
465-73.
Sekundärliteratur: Werner Raupp, K. L. in: Bautz Kirchenlexikon, Band XIX (2001), Sp. 941-655 Übersetzung: L'individuo nel ruolo del co-uomo (übersetzt von Agostino Cera, Neapel), Guida, 2007 |