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| Hans Driesch (1867-1941) Biologe und
Philosoph, Leipzig. Seine Versuche an
Seeigeleiern machten ihn zum Begründer der Klon-Forschung.
Für die Philosophische
Anthropologie ist seine vitalistische Biologie
(»Entelechie«) anregend und zum
kritischen Anstoßpunkt geworden, vor allem bei Helmuth Plessner
und Arnold
Gehlen.
Leben:
Driesch studiert
Zoologie in Freiburg (wo er auch ein philosophisches Seminar besucht),
München
und Jena. Hier promoviert er bei Ernst Haeckel mit einer Arbeit
über
»Tektonische Studien an Hydroidpolypen«. Danach forschte er
u. a. an der
zoologischen Station in Neapel. 1900 geht Driesch nach Heidelberg,
verbunden
mit einem Übergang von der Biologie zur Philosophie. 1907 und 1908
hält er die
berühmten Gifford-Lectures an der Universität Aberdeen
(»Philosophie des
Organischen«, sein frühes Hauptwerk). 1909 wird Driesch
unter Absehen der
Formalitäten für Naturphilosophie habilitiert, und durch die
Vermittlung
Wilhelm Windelbands 1911 auch für Philosophie. Im selben Jahr wird
er zum
außerordentlichen Professor, 1916 zum ordentlichen
Honorarprofessor; 1918 zum
planmäßigen außerordentlichen Professor ernannt. 1920
erfolgte der Ruf auf die
Professur nach Köln an die neugegründete Philosophische
Fakultät. 1921 wird
Driesch nach Leipzig berufen. Bei Driesch hört neben Arnold
Gehlen, der bei ihm
und über ihn promoviert (Zur Theorie der Setzung und des
setzungshaften Wissens
bei Driesch, Diss. Leipzig 1927) u. a. Ernst Jünger und Erich
Fromm. Wegen
seines Einsatzes für einen pazifistisch gesinnten Kollegen
emeritiert man
Driesch vorzeitig am 1.10. 1933.
Werk:
Seine Regenerationsversuche an Seeigeleiern führten Driesch schon
im Jahre 1895
zu einer teleologischen Lehre, die er ab dem Jahre 1899 als
»Vitalismus« oder
»Neovitalismus« bezeichnet hat. Der Neovitalismus richtet
sich gegen die
restlose Erklärung des Lebens aus physikalischen und chemischen
Prozessen; als
Neovitalisten hat Driesch neben dem eigenen Ansatz auch Bergsons
Lebensphilosophie begriffen. Driesch nimmt eine Lebenskraft an, die
»Entelechie«, die dem Leben auf ähnliche Weise
zugrunde liegt wie die »Kraft«
der Physik, mit ihr aber nicht zu vereinigen ist.
Hauptwerke:
Der Vitalismus als Geschichte und als Lehre, Leipzig 1905, 19222 (nur der 1. Teil unter dem Titel: Die Geschichte des Vitalismus) The Science and Philosophy of the Organism. The Gifford Lectures delivered before the University of Aberdeen in the Year 1907 and 1908. 2 vols., London 1908, 19292, ND 1979, deutsch: Philosophie des Organischen. 2 Bände, Leipzig 1909, umgearb. 19212, gekürzt 19284. Bibliographie: Thomas Miller, Konstruktion und Begründung. Zur Struktur und Relevanz der Philosophie Hans Drieschs, 1991 (Diss. Münster/Westf. 1990, mit Primärbibliographie, Rezensionenverzeichnis und Briefverzeichnis); Ergänzungen bei Reinhard Mocek, Die werdende Form. Eine Geschichte der kausalen Morphologie, Marburg 1998. Sekundärliteratur: Thomas Miller, H. E. Driesch, Bautz Kirchenlexikon, Band XIX (2001), Sp. 181-195 |