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Paul Alsberg (1883-1965)

Arzt. Paul Alsberg war der »geniale Außenseiter« der Philosophischen Anthropologie (A. Gehlen), der bereits vor Gehlen den Gedanken der - im Vergleich zu den nächstverwandten Menschenaffen - physischen »Mangelausstattung« des Menschen entwirft: Der Mensch kommt in dieser Mangelausstattung zum »Körperausschaltungsprinzip« und zur (Über-)Kompensation mittels Sprache, Werkzeuggebrauch, Begriffen. Und vor Scheler operiert Alsberg mit dem methodischen Tier-Mensch-Vergleich.

Leben: Alsberg studierte Medizin und wurde zunächst Bakteriologe, dann Arzt; 1922 erschien sein einziges Werk: »Das Menschheitsrätsel«. Nach der Bücherverbrennung 1933 erschien eine Neufassung 1937 in Wien, und erneut 1967 (The question of man). 1934 hatte Frau Alsberg ihren Mann 1934 aus dem Konzentrationslager Oranienburg befreien können; beide emigrierten nach Großbritannien.

Werk: An Alsberg schließt nicht nur Gehlen entscheidend an, sondern Alsberg wurde und wird auch in den neueren Versuchen einer Philosophischen Anthropologie erneut entdeckt: so bei Dieter Claessens und Peter Sloterdijk, die im Vergleich zu Scheler und Plessner stärker entwicklungstheoretische Überlegungen verfolgten bzw. verfolgen.
Zentral ist der Gedanke des Ausbruchs aus dem »Körperprinzip«: Dem hochentwickelten Menschenvorläufer ist es dank der »In-die-Hand-Nahme« der Distanzierungstechnik (»Flucht«) durch Fernwaffen und dann durch Werkzeuge und Sprache zunehmend möglich, den eigenen Körper auszuschalten. Damit ist der Trend zu Abstraktion und Technik ein von Natur aus im Menschen angelegtes Prinzip.
Alsberg benutzt den kontrastiven Tier-Mensch-Vergleich: »Der Unterschied zwischen tierischer und menschlicher Entwicklung hebt sich scharf heraus. Dem Tiere ist sein Körper Alles... Anders beim Menschen. Seine Entwicklung geht auf Benutzung, Vervollkommnung, Mehrung des künstlichen Werkzeuges aus. Der Körper tritt in der menschlichen Entwicklung völlig hinter dem künstlichen Werkzeug zurück, ist zur Passivität verurteilt«.

Werk:

»Das Menscheitsrätsel. Versuch einer prinzipiellen Lösung«, Dresden 1922
(erneut als: »Der Ausbruch aus dem Gefängnis - zu den Entstehungsbedingungen des Menschen«, kommentiert von Hartmut und Ingrid Rötting. Hrsg. u. mit einem Vorw. versehen von Dieter Claessens (bearb. Neuauflage) Gießen 1985)

Sekundärliteratur: »Der Ausbruch aus dem Gefängnis - zu den Entstehungsbedingungen des Menschen«, kommentiert von Hartmut und Ingrid Rötting. Hrsg. u. mit einem Vorw. versehen von Dieter Claessens (bearb. Neuauflage) Gießen 1985